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IVEN EINSZEHN

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IVEN EINSZEHN

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Klaus Martin Kretschmer

 

 


Der Hausherr hat nichts zu sagen
Zum Kringeln: Kretschmer will immer noch mitreden

(Lokalberichte Nr.17/Extraausgabe zum Schanzenfest 2010 vom 31.08.10)

 

In der Hamburger Presse wird Klaus Martin Kretschmer gerne als Kulturinvestor bezeichnet. Das klingt selbstlos, Kretschmer ist aber weder Mäzen noch uneigennützig, wie am Beispiel der Roten Flora deutlich wird: Wenn Kretschmer ein Gebäude kauft, erwartet er, die Leute im Sack zu haben. Für die Besitzer der Roten Flora maßt er sich an, mit dem Eigentumserwerb in ihrem Sinne gehandelt zu haben, dafür erwartet er Dankbarkeit und Huldigung in Form von Mitspracherechten. Wird Kretschmer abgewiesen, beklagt er sich und motzt in alle Himmelsrichtungen nach Lakaien, die ihm beistehen sollen.

Kretschmer hat sich die aktuellen „Nutzer“, wie sie scheinhöflich genannt werden, zwar gar nicht ausgesucht, er hat bloß das Gebäude gekauft, eine Hülle, ungefähr so hohl wie seine Äußerungen. Kretschmer hat nie mit den Besetzern gesprochen, er hat auch die Rote Flora niemals betreten – welcher Geist dort herrscht, was dort vor sich geht, welches Miteinander es dort gibt oder eben nicht, all das will er aber aufs Vortreffliste wissen. Aus seiner Unkenntnis leitet er ernsthaft ab, es gingen keine nennenswerten Impulse von der Roten Flora aus, das Projekt habe sich damit erledigt. Was sich tatsächlich erledigt hat, ist Kretschmer, der sich nach wie vor als Hausherr versteht, aber eben nichts zu sagen hat. Begriffen hat Kretschmer das nie. Wenn er die Rote Flora als einen Fremdkörper bemängelt, kapiert er eben nicht, wie recht er damit hat. Denn genau das will und soll die Rote Flora sein. Ein Fremdkörper in einer Gesellschaft von Leuten wie ihm. Insbesondere seit das Schanzenviertel extremballermannisiert ist, gleich gegenüber Latte macchiato en masse konsumiert wird, als sei schnöder Kaffee ausgestorben, und „Premium Pommes“ feilgeboten werden.

Kretschmer ist eine Persönlichkeit, bei der man nicht sicher wissen kann, ob er in seinem Selbstverständnis als Zwangsbeglücker der Menschheit, welches er nicht müde wird, in peinlichen Bekenntnissen öffentlich zum Besten zu geben, eigentlich komplett größenwahnsinnig ist oder bloß derart naiv, dass man ihn auf RTL senden könnte. Einem Mann wie Kretschmer kann man nur die Stirn bieten, indem man ihn abblitzen lässt. Die Besetzer der Roten Flora haben genau das von Anfang an getan. Sie haben nie ein Wort mit ihm gewechselt; haben einen Dialog von vornherein für unnötig befunden und kategorisch abgelehnt, sie haben Kretschmers Betteln und Flehen ignoriert und diese Haltung konsequent durchgezogen: Kretschmer hat Hausverbot. Die Rotfloristen haben den Mann nie wichtig genommen; Kretschmer ist nicht wichtig, er hält sich nur dafür. Oder er wäre es so gerne.

Seine Einmischungsversuche überbieten sich an Lächerlichkeit. Mal will er mit Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose „ausgemacht“ haben, die Rote Flora zu einem „gemeinnützigen Stadtteilzentrum für alle“ zu entwickeln und sich neue Nutzer zu suchen. Irgendwas Hübsches mit Bällchenbad und Häkelgruppe also, wo Omas Herzschrittmacher nicht aus dem Takt gerät und die Kameralinsen nicht an der wie vollgekotzt aussehenden Fassade erblinden. Ein Ort, an dem nicht nur kurz vor Weihnachten alle bösen Gedanken weggebastelt werden. „Gemeinnützigkeit“ meint: brav, bieder, angepasst. „Für alle“ meint: ohne lästige Linksautonomie.

Dann will er der Flora einen Container vor die Nase stellen, um auf dem Achidi-John-Platz, in konservativen Kreisen und von dussligem Partyvolk noch immer zur Piazza hochstilisiert, in einer „Zukunftswerkstatt“ Ideen für die zukünftige Nutzung zu sammeln. Dafür braucht man gar keinen Container, da reicht echt ein Mülleimer!

Gleichgültig, was nicht zur Debatte steht: Kretschmer ist an vorderster Stelle mit dabei. Nein, ist er nicht. Ist er nie. Aber er biedert sich an vorderster Stelle an. So auch mit seiner aktuellsten Peinlichkeit, sich als formeller Anmelder des Schanzenfestes aufzudrängen. Da haben sich nach monatelangem Hin und Her Bezirksamt, Stadtentwicklungs- und Innenbehörde endlich zu einer Duldung durchgerungen, da fällt Kretschmer ein, schöne Sache das, da mach ich auch mal mit. Schnell mal was gefaxt. Häuser raffen ist ja langweilig auf Dauer, jetzt hol ich mir mal n Fest in meine Sammlung. Wenn ich das erst habe und da Scampis verkaufe, dann wird meine Immobilie Rote Flora nur noch wertvoller von. Faxen machen, mehr ist das nicht. Das Schanzenfest ist eine autonome Veranstaltung und richtet sich damit gegen ihn, gut möglich, dass Kretschmer das nie aufgefallen ist, denn aufgefallen ist der Mann bislang nicht dadurch, dass er etwas blickt.

So blöd das Bezirksamt sich in Sachen Schanzenfest anfänglich gegeben haben mag, diese Blödheit war aus der Not geboren, mit der bürokratischen Überforderung nicht allein gelassen werden zu wollen. Wirklich blöd für die ist, dass sie sich immer ein Stückweit mit Kretschmer abgeben müssen und den Mann damit zum Halbidioten aufwerten, egal mit welchem Schwachsinn der denen kommt. Das wollen die gar nicht mehr. Kretschmers Selbstverständnis lässt sich nämlich so beschreiben: Ich bin das Immobilienkulturdingsbums, ich will wichtige Termine haben, ich bin so wichtig und hab soviel davon, ich geh dann gar nicht hin. Das Bezirksamt lässt verlauten, man könne sich gar nicht erklären, was Kretschmer bezwecke und wolle und was das überhaupt solle. Mittlerweile haben die wohl auch gemerkt, dass Kretschmer dringend mal in eine ganz persönliche Zukunftswerkstatt gehört. Eine Werkstatt kann da gar nichts mehr ausrichten, da braucht’s einen Schrottplatz. Aber einen für Restmüll, bloß nicht wiederverwerten, das Ding.



Auch das noch!
Kretschmers Freundin mischt sich
in Debatte um Rote Flora ein

(Lokalberichte Nr.17/Extraausgabe zum Schanzenfest 2010 vom 31.08.10)

 

Auf dem linksradikalen Nachrichtenportal indymedia.org darf jeder veröffentlichen, und für gewöhnlich ist dieses Portal eine gute Quelle für Sichtweisen, die anderswo unterdrückt werden. Julia Wachsmann hat die Gelegenheit genutzt, um dort Mitte August unter der Überschrift „Wir brauchen Schutzräume wie die Rote Flora“ einiges Immobiliengeschwätz abzuladen. Julia Wachsmann ist Sopranistin, ihre Hobbys sind Beerdigungen, Trauerarbeit und Sakrale Orte. Nebenberuflich ist sie die Lebensgefährtin von Klaus Martin Kretschmer. Schon ihre Magisterarbeit hat sie ganz unter seine Fuchtel gestellt: „Das Image eines Ortes und seine Konstruktion durch Macher und Medien: Eine semiotische Untersuchung am Beispiel des gastronomischen Betriebes Oberhafenkantine“. Aha. Schön mitmischen im Aufwertungsgewerbe. Die Oberhafenkantine war eine der letzten Kaffeeklappen, nach Leerstand und zwischenzeitlichem Missbrauch durch den Kochproleten Mälzer, bzw. seiner Mutter, die mit völlig überteuerter Curry-Wurst á la fernsehberühmter Sohn punkten wollte, ist die Oberhafenkantine heute Schickimicki für Touristen.

In ihrem Beitrag auf indymedia.org hat Julia Wachsmann im Prinzip nichts zu vermelden, außer der Tatsache, dass die Rote Flora ein wichtiger Ort ist. Danke für die Info. War uns nie aufgefallen. Das lassen wir uns mal flott auf den Arsch tätowieren. Was in die Frau gefahren ist, uns mit solcher Erkenntnisflut zu belästigen, will ich lieber nicht ergründen. Ich nehme nämlich an, Klaus Martin Kretschmer hat irgendwas Ansteckendes, und das hat sie voll erwischt

Wirklich ätzend an ihrem Beitrag ist auch gar nicht der Inhalt, welcher aus ihrer Feder schlicht nicht von Interesse ist, schon gar nicht, wenn sie sich auf der Seite der Anderen wähnt, sondern die Art, mit der sie damit rüberkommt. Julia Wachsmann hält sich nämlich für eine total kluge Person, das muss sie uns dringend mal wissen lassen. Deshalb untermauert sie ihre nicht vorhandenen Thesen nicht nur mit Foucault. Als bräuchte die Rote Flora eine geisteswissenschaftliche Theorieerörterung als Basis zur Daseinsberechtigung! Sie erklärt uns Leser außerdem schlicht für doof, indem sie ein Fremdwort benötigt, für dessen Gebrauch allein sie durch ein jahrelang abgesessenes Studium legitimiert ist: „Die Flora ist eine Krisenheterotopie (altgriechisch: heteros = der andere, topos = der Ort).“ Damit beweist Julia Wachsmann eine semipermeable Hirnleistung (semipermeabel: Chemie, Biologie = halbdurchlässig).

Liebe Julia, konzentrier du dich mal aufs Trällern, du bist doch sicher total scharf drauf, dass die Elbphilharmonie endlich fertig wird. Wir können’s auch kaum noch abwarten! Wir brauchen nicht nur Schutzräume wie die Rote Flora, wir brauchen auch Bunker, in denen wir uns vor dem geistigen Bombardement von Leuten wie dir verstecken können!

einszehn.de

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