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IVEN EINSZEHN

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IVEN EINSZEHN

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Die Teufelsbrücker

Iven Einszehn - blau


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Häkeldeckchen Eine Ratzfatzargumentation zum antiemanzipatorischen Wesen von Handarbeiten

Teufelsbrücker Häkeldeckchen 4

Abb. 1: Teufelsbrücker Häkeldeckchen Nr.1 auf Vase

 

 

Häkeldeckchen und andere kunstfertige Handarbeiten entstammen einer Zeit, in der die Menschen nicht soviel mit sich anzufangen wussten, weil Fernsehapparate, Diskotheken und anderer Schabernack nur wenig verbreitet waren – und Hobbys praktisch noch nicht erfunden, bzw. reinste Hexerei. Kein Wunder, daß die Frauen Jahrhunderte lang lieber zu Hause geblieben sind und Fusseln und Fäden in wochenlanger Ergotherapie mit Hilfe von Gabeln und Häkchen zu kompliziertesten Angelegenheiten verhedderten. Nebenbei hatten sie so auch oft bis spät in die Nacht zu tun und eine prima Ausrede, nicht mit ihren Männern in die Betten zu steigen. (In Bayern ist Handarbeiten bis heute eine nicht nur in bäuerlichen Kreisen weit verbreitete Verhütungsmethode.)

Heutzutage wären Handarbeiten also gar nicht mehr nötig, aber Millionen von Frauen haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt: Sie wissen nichts mit sich anzufangen und fuxen fleißig blöde Spitzendeckchen, mit denen sie Anrichten und Couchtische tapezieren und Fenster und ihre Angehörigen behängen. Wären sie nur halbwegs so emanzipiert, wie ihnen Brigitte, Emma, die Bäckerblume und andere relevante Fachzeitschriften suggerieren, würden sie Wolle, Garn, Kordeln, Fäden, Borten und alles, was ihnen seit dunnemals das Hirn verwebt, als Restposten der Geschichte begreifen. Und in der politischen Konsequenz würden sie Baumärkte niederbrennen!

Trotz dieser betrüblichen historischen Um- und damit einher gehenden heutigen Zustände hatte das Häkeldeckchen ursprünglich richtig Sinn.

Früher gab es nämlich schöne Möbel.

Ein Häkeldeckchen diente ursprünglich allein dem Zweck, Gegenstände darauf zu stellen, um die Möbel darunter zu schonen, also vor Kratzern zu bewahren. Obwohl das Mobiliar der heutigen Zeit meist nicht erhaltenswert ist – und damit meine ich nicht nur den Krempel von IKEA –, werden Häkeldeckchen noch immer in eben diesem überlieferten Sinne missverstanden.

Die Teufelsbrücker Häkeldeckchen räumen mit diesem Unsinn konsequent auf: Sie sind im eigentlichen Sinn nicht zu gebrauchen. Man kann nichts darauf stellen, jede Vase kippt sofort um, läuft aus und fällt runter. Man kann allein die Teufelsbrücker Häkeldeckchen selbst auf Möbel stellen, vollkommen zweckfrei. Notfalls kann man sie sogar auf eine Vase stellen (s. Abb. 1) – emanzipierter geht’s nun wirklich nicht ...

Teufelsbrücker Häkeldeckchen Nr.1

Abb. 2: Teufelsbrücker Häkeldeckchen Nr.1

 

Teufelsbrücker Häkeldeckchen Nr.2

Abb. 3: Teufelsbrücker Häkeldeckchen Nr.2

 

Teufelsbrücker Häkeldeckchen Nr.3

Abb. 4: Teufelsbrücker Häkeldeckchen Nr.3

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